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09.06.2016 12:34

Ansprache während der Statio zur Investiturfeier am 22. Mai 2016

Liebe Ordensgemeinde! 

Pax optima rerum. Dieses Wort begleitet die Investitur in Münster. In dem Lied „Herr, wir bitten: Komm und segne uns, lege auf uns deinen Frieden“ wird das Wort konkret. Der Herr wird mit einer Bitte um Segen und Frieden unmittelbar angesprochen. Als Ergänzung zu diesem Lied findet sich im Gotteslob ein Zitat von Niels Stensen: "Schön ist, was wir sehen, schöner, was wir wissen, weitaus am schönsten, was wir nicht fassen." 

Wer war Niels Stensen? Niels Stensen lebte im siebzehnten Jahrhundert. Er war ein dänischer Arzt und Forscher. Er machte wichtige Entdeckungen, so in der Medizin. Durch seine geologischen Studien wurde er zum Begründer der Kristallographie.       

Niels Stensen war evangelischer Christ. Nach Studienaufenthalten in den europäischen Zentren der Wissenschaft wurde er in Florenz katholisch. Niels Stensen empfing die Priesterweihe, später kam er als Weihbischof nach Münster. Niels Stensen bemühte sich, hier, um eine Vertiefung des religiösen Lebens und traf dabei auf Schwierigkeiten. Sie veranlassten ihn, in die nordischen Missionen zurückzukehren. 

Was kann Niels Stensen uns heute sagen? Nach seiner Konversion hielt Niels Stensen Vorlesungen. Er schloss seine Vorlesung in der Anatomie mit den Worten: "Schön ist, was wir sehen, schöner, was wir wissen, weitaus am schönsten, was wir nicht fassen." 

"Schön ist, was wir sehen." Niels Stensen hat die Schönheit der Natur gesehen.  Er bewunderte die unbelebte Natur wie auch den menschlichen Leib, den Reichtum und die Vielfalt der Schöpfung. 

Niels Stensen blieb sehend nicht an der Oberfläche hängen, der Wissenschaftler suchte nach der Erkenntnis von Zusammenhängen und Gesetzmäßigkeiten. Eine Herausforderung ergab sich aus seiner Erkenntnis, dass das Herz ein Muskel ist, nicht der Sitz von Seele und Geist. Diese Erkenntnisse führen nicht zu einem Gegensatz zwischen Glauben und Wissen. Die Natur als Schöpfung wird für ihn zu einem Hinweis auf den Schöpfer. Laudato si! ruft uns Papst Franziskus in seiner Enzyklika zu. Niels Stensen und Papst Franziskus feuern uns an, für den Erhalt der Schöpfung Sorge zu tragen.

"– schöner, was wir wissen." Niels Stensen lebte am Beginn der Epoche, in der die Naturwissenschaft den siegreichen Zug ihrer Entdeckungen begann. Die wissenschaftliche Erkenntnis machte ihm Freude. 

Inzwischen sind viele Erkenntnisse der Wissenschaft durch technische Entwicklungen zu Bestandteilen unseres Lebens geworden. Aber wir erkennen auch, dass Wissenschaft und Technik den Menschen aus der Hand gleiten können.

Gleichwohl darf aus diesen Ängsten keine Wissenschaftsfeindlichkeit erwachsen. Der Fortschritt des Wissens erfordert vielmehr einen entsprechenden Fortschritt in der Entfaltung der menschlichen Werte. Wissenschaft und Technik sollen helfen, das Leben menschlicher und menschenwürdiger zu gestalten. Der Mensch hat den Vorrang. 

"- weitaus am schönsten, was wir nicht fassen." Als Forscher suchte Niels Stensen die Gesetze der Natur zu erkennen. Niels Stensen wählte für seinen bischöflichen Dienst das Herz mit dem Kreuz. Er weiß um die Grenzen der wissenschaftlichen Erkenntnis; er weiß um das, was wir nicht fassen, wo es um die tiefsten Fragen des Menschen geht. Das Sehnen des Herzens geht darüber hinaus. Die Antwort auf diese Sehnsucht kann allein Gott geben. Er gibt sie in seinem Sohn Jesus Christus. 

Wir beten dich an Herr Jesus Christus und preisen dich. Denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.  

Procedamus in pace. In nomine Christi. Amen

Otmar Schober, Komturei St. Ludgerus Münster

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