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14.12.2016 09:10

„Glauben haben, der in der Liebe wirksam ist“ (vgl. Gal 5,6)

Zum Geistlichen Leitwort 2017 von Cfr. Prälat Karlheinz Knebel

Bereits in dieser Ausgabe von „Deus Lo Vult aktuell“ stellen wir das Geistliche Leitwort 2017 vor, mit dem die Komtureien und Provinzen eingeladen sind, sich zu befassen. Das Leitwort sollte Bestandteil der Jahresprogramme und Angebote im Orden sein.

Paulus behandelt in dem Brief an die Galater eine Grundfrage seines Evangeliums: die Frage nach Gesetz und Freiheit. Er predigt die Freiheit vom alttestamentlichen Gesetz. Die angesprochenen Gegner sind wohl Judenchristen. Die entscheidende Frage lautet: welche Bedeutung hat das alttestamentliche Gesetz und die Beschneidung. Für Paulus ist klar, wer sich nach dem Gesetz richtet, muss sich an das Gesetz halten und vertraut nicht mehr auf Christus allein. Er sucht seine Gerechtigkeit nicht in der Gnade. Solch eine Haltung ist für Paulus dem Evangelium nicht gemäß.

Fragen für heute

Der Brief wird sein schärfster Kampfbrief und ist nicht frei von Sarkasmus. Erregung, Zorn, aber auch Innigkeit prägen seine Sprache. Er steht in Auseinandersetzung mit den falschen Aposteln, verteidigt sein Apostelamt, führt seine Berufung auf Christus zurück. Sein Evangelium stammt von Gott. Durch dieses Evangelium und den Glauben haben die Galater die kostbare Gabe des Geistes empfangen, nicht auf Grund von Werken des Gesetzes (3,1-5).

Christliche Freiheit darf aber nicht als Zügellosigkeit missverstanden werden. Der Christ ist frei für den Dienst der Liebe (5,13-26). Das Gesetz erweist sich als äußere Ordnung, aber es fehlt an der inneren und geistigen Erfüllung. Das Gebot Christi ist nicht äußerlich, sondern das immer gültige Gebot der Liebe. Wir schaffen uns nicht selber das Heil, wir wollen uns nicht selber rühmen. Das Evangelium des Kreuzes verkündet, dass es nur eine Rechtfertigung gibt, die Gott schenkt um des Heilswerkes Christi willen.

Der Brief des Apostels Paulus hat große Bedeutung für das Christentum. Er berührt Fragen die für alle Zeit und besonders für unser heutiges Leben wichtig sind. Das Wagnis des Glaubens, das uns frei macht für den Dienst vor Gott und am Nächsten in der Liebe.

Wo stehen wir mit unserem Glauben?

Oft suchen wir nach Lösungen unserer Fragen, die wir aus einem Gesetz, einer Regel oder Ordnung abrufen können. Dabei stellen wir fest, dass unser Herz anders entscheiden will, oder dass wir keinen Weg in die Zukunft und Freiheit mehr sehen, die wir im tiefsten unseres Herzens ersehnen.  Kann uns da das Wort des Paulus, „Glauben haben, der in der Liebe wirksam ist“ nicht den Weg weisen?

 Zuerst müssen wir uns klar werden was Glaube ist und das wir ihn nicht haben als einen Besitz, der unser Eigen wäre. Glaube ist ein Geschenk eine Gabe, die wir Tag für Tag aus der Hand des Herrn empfangen und der uns  verwandelt und in uns wirkt. Die Quelle des Glaubens ist die unendliche Liebe des Herrn, die sich am Kreuz enthüllt und offenbart und die in unser Herz ausgegossen wird. Dieser Glaube, der nicht unser Werk ist, beruht aber auf der Hingabe und dem Vertrauen, das wir dem Herrn schenken. Diese Hingabe verändert unser Handeln. Wir werden gleichsam zu dem Raum in dem die Liebe dann wirksam wird.

In Maria ist uns solch ein Glaube vor Augen gestellt, Paulus bemüht sich um diesen Glauben. Es ist der Glaube den wir an Jesus sehen, wenn er darum ringt, den Willen des Vaters zu erfüllen  und ganz mit dem Willen des Vaters eins wird, den zu erfüllen er gekommen ist. 

Diese Liebe ist wirksam und lässt uns nicht bei der Regel, dem Gesetz oder der Tradition stehen. Sie zeigt sich uns im Blick und Handeln des barmherzigen Samariters, der nicht nur sich anrühren lässt, sondern auch wirksam handelt an dem, der in Not geraten ist. Wir erfahren es in der Umarmung des barmherzigen Vaters, der den verlorenen Sohn in seine Arme nimmt, bevor er ein Wort gesagt hat. Wir erfahren diese Liebe, wenn wir umarmt sind von der Liebe des Gekreuzigten, wenn wir erfüllt sind von seinem Geist. Dann sind wir geführt und gebunden in der Liebe die alles gibt. Die Wirksamkeit dieser Liebe und damit die Wirksamkeit dieses Glaubens lässt nicht mehr mich handeln, sondern Christus in mir. Das ist nicht ungebundene Freiheit, sondern Handeln von Christus her. Ausgegossen ist in unser Herz die Gabe des Heiligen Geistes.

Glaube in Liebe wirksam

So erwächst aus der Haltung des Gebetes, aus dem lebendigen Austausch mit Gott, die Geisteshaltung, die uns befähigt die Liebe wirksam werden zu lassen, die größer ist als unsere eigene Kraft und unser eigenes Herz. Er nimmt uns das Herz aus Stein und gibt uns ein Herz aus Fleisch. Die Liebe Christi drängt uns (vgl. Ez 11,19; 2 Kor3 und 2 Kor 5,14). Es mag auch bedeutend sein, dass Paulus sowohl den Glauben, wie auch die Liebe in diesem Wort Gal 5,6 ohne Artikel verwendet. Glaube in Liebe wirksam. Das Glaubensprinzip steht dem Gesetzesprinzip gegenüber. Der den Sünder rechtfertigende Glaube wird wirksam in der Zuwendung zum Nächsten (Agape als Nächstenliebe), genau, wie es der Jakobusbrief fordert (Jak 2,11-26). Paulus sagt dieses Wort nicht seinen Gegnern, sondern den Adressaten in den Gemeinden Galatiens, die er im Glauben stärkt. Hier wird deutlich, der Glaube an Gott und die Liebe Gottes in mir, erweisen sich wirksam in der Liebe zum Nächsten.

Auf den ganzen Paulus schauend, besonders auf  seinen Römerbrief, kann vertiefend  gesagt werden, die Haltung in der ein Mensch  das Geschenk der Gerechtigkeit Gottes empfängt, ist der Glaube. Glaube ist Gehorsam dem Gekreuzigten gegenüber, den ich als Herrn anerkenne. Als echter Gehorsam ist der Glaube davor geschützt, eine eigene Leistung  zu sein. Glaube ist der Verzicht auf Leistung und die Bereitschaft, sich ganz dem Kreuz zu übergeben. Damit wird der Glaube  eine freie Tat des Gehorsams. Solch ein Glaube ist nicht religiöses Erlebnis, nicht seelische Verfassung, nicht das Heil, sondern als echter Gehorsam die Bedingung für das Heil. Dieser Glaube richtet sich auf die Zukunft und ist voller Hoffnung, in diesem Glauben ist aber auch die Kraft, von sich selber abzulassen und zu bekennen, dass meine Zukunft ganz in Gottes Händen liegt.

Begegnung mit dem Evangelium

Solch ein Glaube wird erweckt durch die Begegnung mit dem Evangelium. Im Evangelium wird die Herrschaft Christi verkündet, ja in der Botschaft des Evangeliums ist das ganze Heil, das Gott für die Welt bereitet hat, gegenwärtig. Der Auferstandene wird von Paulus immer gepredigt als der Gekreuzigte (1 Kor 2,2). Im Evangelium offenbart sich die rettende Kraft Gottes in Jesus Christus, den ich im Gehorsam des Glaubens als meinen Herrn anerkenne, um daraus zu leben.

Wer vom Geschenk des Glaubens erfüllt ist, ist auch reich gesegnet mit dem Geist des Gekreuzigten und Auferstandenen. Dieser Geist wirkt und atmet in mir, er schlägt immer wieder die Brücke zum lebendigen Gott, dem Vater wie auch zu denen die mit mir denselben Geist in ihrem Herzen tragen. Glaube bleibt nie bei sich selbst stehen, es drängt ihn, sich zu verschenken und in der Liebe wirksam zu sein. Die heilige Theresia von Lisieux war sich sicher, Glaube an Jesus vollendet sich nicht in der ewigen Ruhe, sondern will sich immer verschenken und anderen in Liebe begegnen, deshalb sagt sie auch, „ich werde den Himmel damit verbringen, auf Erden Gutes zu tun“. In unserer Spiritualität schauen wir auf den Herrn, der sich uns in großer Liebe schenkt, dieser Glaube wirkt in der Liebe, die wir weiterschenken: den Brüdern und Schwestern und im Letzten allen Menschen, für die Christus sein Leben gegeben hat.

Die Freiheit, die uns dieser Glaube schenkt, macht uns zu Gefangenen Christi. Wir sind gebunden und geführt von seiner Liebe und den Gaben, die er uns schenkt. Paulus hat sich Knecht Jesu Christi genannt, er war ein Sklave des Herrn, der im Triumphzug von ihm mitgeführt wird (2 Kor 2,14ff). Wenn er sich rühmen wollte, dann konnte er sich nur in Christus rühmen. Sein ganzes Leben war ein Leben in Christus, in ihm konnte er alles: sich freuen und weinen, er war erprobt im Leid und der Verfolgung und er war bereit, allen alles zu werden, um sie zu Christus zu führen (1 Kor 9).

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